RA-002Die Rasse
FCI-Standard Rottweiler: Körper, Wesen, Spielraum
Was der FCI-Standard Nummer 147 zu Körperbau, Gewicht, Fell und Wesen des Rottweilers festhält und wo Züchter innerhalb des Standards entscheiden.
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Der FCI-Standard Nummer 147 beschreibt den Rottweiler als mittelgroßen, kräftigen Gebrauchshund mit guter Bemuskelung, breitem Körper und einem Gewicht von etwa 50 Kilogramm bei Rüden und 42 Kilogramm bei Hündinnen. Das Wesen wird als freundlich, ruhig, selbstsicher und arbeitswillig festgehalten, mit ausgeprägter Schutztriebbereitschaft. Züchter haben innerhalb dieser Vorgaben Spielraum bei Details wie Kopfform, Fellnuancen und der Auswahl der Elterntiere, solange die Grundmerkmale erhalten bleiben. Wer die Systematik solcher Rassestandards verstehen will, findet in einem standard FCI du chien eine vergleichende Einführung, die am Beispiel einer kleinen Gesellschaftshunderasse zeigt, wie ein Standard aufgebaut ist.
Was der Standard zu Körperbau und Gewicht sagt
Der Rottweiler gehört nach dem Standard zu den mittelgroßen Hunden. Die Widerristhöhe beträgt bei Rüden 61 bis 68 Zentimeter, bei Hündinnen 56 bis 63 Zentimeter. Das Gewicht liegt bei Rüden zwischen 50 und 60 Kilogramm, bei Hündinnen zwischen 35 und 48 Kilogramm. Diese Zahlen stammen aus dem FCI-Standard und sind keine Zuchtempfehlung, sondern eine Beschreibung des angestrebten Erscheinungsbildes.
Der Körperbau wird als kräftig, gedrungen und muskulös beschrieben. Die Brust ist tief und breit, der Rücken gerade und fest, die Länge des Körpers übertrifft die Widerristhöhe leicht. Die Gliedmaßen stehen gerade und parallel, die Pfoten sind rund und fest. Der Kopf ist mittellang, mit kräftigem Oberkopf, ausgeprägtem Stop und einem gut entwickelten Fang. Die Ohren sind mittelgroß, hängend und hoch angesetzt. Die Rute wird in der Regel kupiert getragen, wobei das Kupieren in Deutschland und vielen anderen Ländern verboten ist und der Standard die natürliche Rute ausdrücklich zulässt.
Das Fell ist kurz, dicht und glatt, mit einer dichten Unterwolle. Die Farbe ist schwarz mit deutlich abgegrenzten rotbraunen Abzeichen an Fang, Brust, Beinen und unter der Rute. Weiße Abzeichen gelten als Fehler. Die Augen sind mittelgroß, dunkel und mandelförmig.
Was der Standard zum Wesen festhält
Der Standard beschreibt den Rottweiler als freundlich, ruhig, selbstsicher und arbeitswillig. Er soll ein ausgeprägtes Schutz- und Wachbedürfnis haben, aber keine übersteigerte Aggression zeigen. Die Rasse wird als robust, belastbar und ausdauernd beschrieben, mit einer hohen Reizschwelle. Das Wesen ist ein zentraler Bestandteil des Standards, nicht nur ein Anhang.
Der Standard verlangt ausdrücklich ein freundliches und ausgeglichenes Verhalten gegenüber Menschen und Artgenossen. Aggressivität oder Nervosität gelten als schwerwiegende Fehler. Die Schutzbereitschaft soll kontrolliert und situativ sein, nicht pauschal. Diese Formulierungen sind für Züchter bindend, weil sie in die Zuchtzulassung einfließen.
Wo Züchter innerhalb des Standards entscheiden
Der Standard legt einen Rahmen fest, keinen Bauplan. Züchter entscheiden über die Auswahl der Elterntiere, die Kombination von Linien und die Gewichtung einzelner Merkmale. Ein Züchter kann beispielsweise einen etwas größeren oder kompakteren Typ bevorzugen, solange die Grenzwerte für Größe und Gewicht eingehalten werden. Auch bei der Kopfform gibt es Spielraum: Der Standard beschreibt einen kräftigen, aber nicht übertriebenen Kopf, und Züchter wählen innerhalb dieser Bandbreite.
Ein weiterer Spielraum betrifft das Fell. Der Standard schreibt schwarz mit rotbraunen Abzeichen vor, lässt aber Nuancen im Rotbraun zu. Züchter können auf eine besonders dichte Unterwolle achten oder auf eine klare Abgrenzung der Abzeichen. Entscheidend ist, dass die Grundfarbe und die Abzeichen erhalten bleiben.
Beim Wesen haben Züchter den größten Einfluss, weil Verhalten nicht nur genetisch, sondern auch durch Aufzucht und Prägung geformt wird. Der Standard verlangt ein freundliches, selbstsicheres Tier, doch wie dieses Ziel erreicht wird, liegt in der Verantwortung des Züchters. Sozialisierung, Umweltreize und die Auswahl der Elterntiere nach Wesensprüfungen sind die Hebel, die der Standard offenlässt.
Welche Rolle spielen Zuchtordnungen und Prüfungen?
Der FCI-Standard ist die Grundlage, aber nicht das einzige Regelwerk. Nationale Zuchtverbände ergänzen ihn durch Zuchtordnungen, die zum Beispiel Gesundheitsuntersuchungen vorschreiben. Für den Rottweiler sind Hüftgelenkdysplasie und Ellenbogendysplasie die wichtigsten Untersuchungen. Der Standard selbst nennt keine Untersuchungspflichten, sondern beschreibt das Zielbild. Die Zuchtordnungen der Verbände legen fest, welche Hunde zur Zucht zugelassen werden.
Auch die Gebrauchshundeprüfungen sind nicht Teil des Standards, sondern der Ausbildung. Der Standard beschreibt die Arbeitswilligkeit als Wesensmerkmal, die Prüfungen messen sie. Ein Züchter, der innerhalb des Standards arbeitet, kann sich auf beides stützen: auf die Beschreibung des Wesens und auf die Ergebnisse der Prüfungen.
Was der Standard nicht regelt
Der Standard regelt weder den Preis eines Welpen noch die Wahl des Züchters. Er regelt auch nicht die Ernährung, die Haltung oder die Erziehung. Diese Bereiche liegen außerhalb des Standards und werden durch andere Quellen abgedeckt. Wer einen Rottweiler kauft, sollte den Standard als Beschreibung der Rasse lesen, nicht als Kaufvertrag.
Der Standard regelt auch nicht die Farbnuancen jenseits der Grundfarbe oder die genaue Form der Abzeichen. Er beschreibt ein Ideal, das in der Praxis nie vollständig erreicht wird. Züchter arbeiten mit Annäherungen, und Richter bewerten, wie nah ein Hund am Ideal liegt.
Wie ist der Standard aufgebaut?
Der FCI-Standard Nummer 147 folgt dem üblichen Aufbau: Herkunft, Verwendung, Klassifikation, kurzer geschichtlicher Abriss, allgemeines Erscheinungsbild, wichtige Proportionen, Verhalten und Wesen, Kopf, Hals, Körper, Gliedmaßen, Rute, Gangwerk, Haut, Fell, Farbe, Größe und Gewicht, Fehler und schwere Fehler. Diese Struktur macht den Standard vergleichbar mit anderen Rassestandards.
Wer die Struktur einmal verstanden hat, kann jeden Standard lesen. Die Reihenfolge ist bei den meisten FCI-Standards ähnlich. Das erleichtert den Vergleich zwischen Rassen, auch wenn die Inhalte unterschiedlich sind.
Quellen
Die Angaben zu Körperbau, Gewicht, Fell und Wesen stützen sich auf den FCI-Standard Nummer 147, veröffentlicht vom Fédération Cynologique Internationale. Ergänzend wurden Zuchtordnungen deutscher Rassehundeverbände herangezogen, die Gesundheitsuntersuchungen und Zuchtzulassung regeln. Eine vergleichende Einführung in den Aufbau von Rassestandards bietet der oben verlinkte französischsprachige Leitfaden zum Spitz Nain.


